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DEFINITION SCHILDDRÜSENKREBS

Schilddrüsenkrebs, auch Schilddrüsenkarzinom genannt, ist ein bösartiger Tumor der Schilddrüse. Je nachdem, von welchem Zelltyp der Schilddrüse er ausgeht, unterscheidet er sich hinsichtlich seiner Behandlung und dem Krankheitsverlauf.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 5.000 Menschen neu an einem Schilddrüsenkarzinom. Frauen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Männer. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt zwischen 50 und 60 Jahren. In den letzten Jahren hat die moderne Medizin große Fortschritte gemacht, so dass die Erkrankten heute sehr gute Heilungschancen haben:  Nach einer erfolgreichen Schilddrüsenkrebstherapie können Patienten den schweren Lebensabschnitt meist hinter sich lassen und wieder ein normales Leben führen.

Symptome

Zu Beginn der Erkrankung verursacht der Schilddrüsenkrebs kaum Beschwerden und wird daher oft spät bemerkt. Erst mit zunehmender Tumorgröße kommt es zu Symptomen. Erkrankte bemerken einen größer werdenden Knoten in der Schilddrüse, der durch Druck auf die Speise- bzw. Luftröhre zu Schwierigkeiten beim Essen, Atmen und Sprechen führen kann. Zusätzlich kann es durch Schädigung von Nervenbahnen zu einer Verengung der Pupille, einem Zurücksinken des Augapfels in die Augenhöhle oder einem Herabhängen des Oberlides auf der betroffenen Seite kommen.

Wenn Halslymphknoten vom Tumor befallen werden, sind diese oft geschwollen, derb und auf ihrer Unterlage schlecht verschiebbar. Die Symptome sind allerdings bei jedem Menschen unterschiedlich, zeigen sich bei dem Einen mehr und bei dem Anderen weniger. Bei Unsicherheit sollten Betroffene immer mit dem behandelnden Arzt sprechen.

Ursachen

Die Ursachen für das Entstehen von Schilddrüsenkrebs sind noch nicht genau geklärt. Sicher scheint jedoch, dass bei einem vermehrten Vorkommen von Schilddrüsenkrebs in der Familie und bei Strahlenbelastungen, speziell in der Kindheit, ein erhöhtes Risiko besteht.

Jodmangel und Strahlenbelastung

  • In der Literatur wird bisweilen auch Jodmangel als Ursache für die Entstehung des Schilddrüsenkarzinoms diskutiert. Patienten, die unter einer Schilddrüsenvergrößerung („Kropf“) leiden, der aufgrund von Jodmangel entstanden ist, sind stärker gefährdet, Schilddrüsenkrebs zu entwickeln. Insbesondere eine länger andauernde Struma (Kropf) in der Schilddrüse kann sich zu einem Knoten verändern. Daraus kann unter Umständen im Laufe von Jahren Schilddrüsenkrebs entstehen.
  • Röntgenbestrahlungen im Kopf- und Halsbereich – vor allem im Kindes- und Jugendalter – stellen ein Risiko dar. Solche Bestrahlungen waren in den vierziger und fünfziger Jahren in Skandinavien und den USA zur Behandlung von Rachenmandelentzündungen und Akne verbreitet. In Deutschland sind sie jedoch nur selten angewandt worden. Auch Menschen, die einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt waren, z. B. infolge einer Reaktorkatastrophe, haben ein erhöhtes Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken. Dabei steigt das Krebsrisiko mit der Strahlendosis, der ein Betroffener ausgesetzt war. Auch hier sind Kinder und Jugendliche besonders gefährdet.
    Patienten, die aus therapeutischen Gründen radioaktives Jod erhalten haben, z. B. zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion, tragen hingegen kein erhöhtes Risiko.

ARTEN VON SCHILDDRÜSENKREBS

Differenzierte Schilddrüsenkarzinome

  • Der häufigste Karzinomtyp sind die differenzierten Krebsarten. Die Zellen dieser Tumore nehmen in der Regel radioaktiv markiertes Jod auf und können daher gezielt mit einer Operation und einer darauf folgenden Radiojodtherapie behandelt werden.
  • Zu den differenzierten Schilddrüsenkarzinomen gehören das papilläre und das follikuläre Schilddrüsenkarzinom. In ihrer Zellstruktur ähneln sie noch weitgehend dem normalen Schilddrüsengewebe und sind damit in der Regel weniger aggressiv. Dies spiegelt sich unmittelbar in den Heilungschancen wider: Differenzierte Schilddrüsenkarzinome gehören zu den Tumoren mit den besten Heilungsaussichten überhaupt.
  • Papilläre und follikuläre Schilddrüsenkarzinome unterscheiden sich klinisch hinsichtlich der Bildung von Tochtergeschwülsten, auch Metastasen genannt. Das papilläre Karzinom bildet Tochtergeschwülste vorwiegend in den Lymphknoten in der Nähe der Schilddrüse. Das follikuläre Schilddrüsenkarzinom dagegen entwickelt nur selten Lymphknotenmetastasen, sondern bildet  typischerweise vorwiegend Fernmetastasen in der Lunge und in den Knochen.

Medulläre Schilddrüsenkarzinome

  • Mit 5-10 Prozent unter allen Schilddrüsenkarzinomen eher selten sind sogenannte  medulläre Schilddrüsenkarzinome. Diese Form des Karzinoms kann zum Beispiel familiär gehäuft auftreten. Es entsteht in den sogenannten C-Zellen. Das sind Zellen, die in kleinen Gruppen in der Schilddrüse liegen und das Hormon Calcitonin bilden. Die Prognose bei einem medullärem Schilddrüsenkarzinom hängt vom Zeitpunkt der Therapie ab. Bei kleineren Knoten (bis 1 cm Durchmesser) ohne Lymphknotenmetastasen sind die Heilungschancen sehr gut, wenn die Schilddrüse und alle Lymphknoten im Halsbereich operativ entfernt werden. Eine Radiojodtherapie ist aufgrund mangelnder Jodspeicherung dieses Tumors nicht sinnvoll.

DIAGNOSTIK BEI SCHILDDRÜSENKREBS

Schilddrüsenkrebs kann durch die Vergrößerung der Schilddrüse ein Druckgefühl im Hals, Luftnot, Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Hustenreiz sowie eine tastbare Lymphknotenschwellung hervorrufen. Diese Symptome können durchaus auf andere, meist harmlosere Erkrankungen hindeuten. Dennoch ist es ratsam, bei derartigen Symptomen einen Arzt aufzusuchen und die Ursache abklären zu lassen. Jedoch kann eine Schilddrüsenkrebserkrankung auch ohne Vergrößerung der Schilddrüse einhergehen, sodass man regelmäßige Gesundheitsvorsorgen immer durchführen lassen sollte.

Beim Arzttermin wird zunächst ein ausführliches Gespräch, die sogenannte Anamnese, geführt. Dabei befragt der Arzt den Patienten, ob sich der Gesundheitszustand in den letzten Wochen und Monaten verändert hat und welche Vorerkrankungen es bei dem Betroffenen oder in dessen Familie gibt.

Im Anschluss daran werden die körperliche Untersuchung und bei entsprechendem Verdacht auch spezielle Zusatzuntersuchungen vorgenommen:

Palpation

Bei der Palpation tastet der Arzt den Hals ab, um zu erfühlen, ob die Schilddrüse vergrößert ist oder ob Knoten spürbar sind.

Blutwerte

Durch eine Laboruntersuchung der Blutwerte wird festgestellt, ob die Schilddrüse richtig arbeitet und ob der Körper über die richtige Hormonmenge verfügt.

Sonografie

Eine Schilddrüsensonografie, auch Ultraschall genannt, kann weiteren Aufschluss über die Beschaffenheit und Struktur etwaiger Gewebeveränderungen und Knoten geben. Die Farbdoppleruntersuchung ist hierbei eine Zusatzfunktion, welche die Durchblutung des Organs sichtbar macht.

Szintigrafie

Sollten bei diesen Untersuchungen Knoten in der Schilddrüse festgestellt werden, ist zur weiteren Abklärung meistens eine Szintigrafie notwendig. Hierbei handelt es sich um ein spezielles Verfahren, Organsysteme darzustellen. Die Patienten erhalten eine radioaktive Substanz mittels Injektion oder Kapsel, die sich in der Schilddrüse anreichert. Anschließend sendet das Schilddrüsengewebe Gamma-Strahlen, die von einer Gamma-Kamera erfasst und in ein Bild umgesetzt werden. Diese Untersuchungen werden meist vom Nuklearmediziner durchgeführt.

THERAPIE BEI SCHILDDRÜSENKREBS

Die Diagnose Schilddrüsenkrebs bedeutet für Betroffene und Angehörige zunächst einen Schock. Doch bei dieser Krebserkrankung bestehen in der Regel sehr gute Heilungschancen. Die moderne Medizin hat in den letzten Jahren viele neue Erkenntnisse gewonnen. Mit fortschrittlichen Therapieoptionen können die Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion nach einer Schilddrüsenoperation oder in der Nachsorge heutzutage reduziert und die Behandlungszeiten bei der Ablation verkürzt werden.  Patienten sollten mit ihrem Arzt über die für sie optimale Behandlungsform sprechen.

INFO : CHECKLISTE VOR DEM THERAPIESTART

Checkliste vor dem Therapiestart Folgende Fragen und Aspekte sollten Sie vor Beginn der Schilddrüsenkrebstherapie klären:

  • Welche Therapieoptionen gibt es bei Schilddrüsenkrebs?
  • Wenn die Schilddrüse operativ entfernt werden muss, wie läuft im Anschluss die Schilddrüsenhormon-Ersatztherapie ab?
  • Wenn eine Radiojodtherapie (Ablation) durchgeführt wird, welche Möglichkeiten der vorbereitenden TSH-Stimulation gibt es?
  • Muss ich mit Begleiterscheinungen in der Vorbereitung auf die Radiojodtherapie und während der Therapie rechnen?
  • Muss ich damit rechnen, dass das Führen eines Kraftfahrzeugs bzw. das Arbeiten mit gefahrvollen Maschinen vorübergehend unterbleiben muss? Welche Möglichkeiten in der vorbereitenden TSH-Stimulation gibt es?
  • Worauf muss ich während der gesamten Therapiedauer besonders achten (z.B. Ernährung)?
  • Wie kann meine Familie mich am besten unterstützen?

Operation

Unabhängig vom Karzinomtyp müssen sich die Patienten in der Regel zunächst einer Operation unterziehen, denn die operative Entfernung der kranken Schilddrüse und die Untersuchung des Gewebes sind meist das Mittel der Wahl. Zur Therapieplanung kann in Einzelfällen eine Computertomografie (CT), eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Positronen Emission Tomographie (PET) vor der OP sinnvoll sein.

Der Chirurg entfernt bei der Operation nach Möglichkeit die gesamte Schilddrüse, um sicherzugehen, dass der Krebs vollständig entfernt wurde. Manchmal wird nur ein Teil der Schilddrüse entfernt bzw. erst mit einem Gewebetest („Schnellschnitt“) während der OP darüber entschieden.

Ohne Schilddrüse verliert der Körper die Fähigkeit, Schilddrüsenhormone selbst herzustellen – sie müssen nach der OP durch Tabletten von außen zugeführt werden (Schilddrüsenhormon-Ersatztherapie). Für die meisten Patienten ist dies ohne weitere Komplikationen möglich.

TSH-Steigerung als Vorbereitung auf die Ablation

Auch nach einer erfolgreichen Operation bleibt meist ein wenig Schilddrüsenrestgewebe zurück, da der Chirurg darauf achtet, dass der Stimmbandnerv und die Nebenschilddrüsen, die dicht an der Schilddrüse liegen, nicht verletzt werden.

Um das Restgewebe respektive verbleibende bösartige Tumorzellen zu zerstören, wird die sogenannte ablative Radiojodtherapie (Ablation) angewandt. Mit der Gabe von radioaktivem Jod werden die  Schilddrüsenzellen von innen zerstört. Damit die Radiojodtherapie erfolgreich verläuft und die verbliebenen Schilddrüsenzellen ausreichend Radiojod aufnehmen, müssen sie zunächst „jodhungrig“ gemacht werden. Dies kann der Patient dadurch unterstützen, indem er vor der Radiojodtherapie einen Jodüberschuss durch Lebensmittel vermeidet. Eine entscheidende Rolle spielt aber der TSH-Spiegel im Körper. Dieser muss ansteigen, um die Schilddrüsenzellen für die Jodaufnahme zu aktivieren.

Um den TSH-Spiegel im Körper zu erhöhen, gibt es zwei Behandlungsmethoden – die Erhöhung des TSH-Spiegels durch die medikamentöse Zufuhr von TSH und den Schilddrüsenhormonentzug. Patienten sollten mit ihrem Arzt über die für sie optimale Behandlungsform sprechen.

FORMEN DER TSH-STIMULATION

Die rhTSH-Stimulation

  • Aufgrund der Nebenwirkungen einer Schilddrüsenunterfunktion wird immer öfter diese Stimulationsmethode gewählt: Der TSH-Spiegel wird durch die Gabe eines Ersatz des natürlichen Schilddrüsenstimulierenden Hormons, kurzfristig schnell erhöht.
  • Bei dieser Therapieform können die Schilddrüsenhormontabletten direkt nach der Operation gegeben werden, der Patient muss somit die unangenehmen Begleiterscheinungen einer Schilddrüsenunterfunktion nicht erleben. Das rhTSH wird an zwei Tagen vor der Radiojodtherapie jeweils einmal in den Gesäßmuskel injiziert und lässt den TSH-Spiegel rasch ansteigen. Die Schilddrüsenhormone können dabei weiterhin täglich eingenommen werden. Wird diese Therapieform gewählt, dauert die gesamte primäre Therapie (Operation und Radiojodablation) nur zehn bis vierzehn Tage, da der Nuklearmediziner die Ablation nach Entlassung aus der Chirurgie direkt terminieren kann. Eine Therapie unter rhTSH kann damit zeitlich schneller und weniger belastend sein als der Schilddrüsenhormonentzug.

Die TSH-Stimulation durch Schilddrüsenhormonentzug

  • Ein TSH-Anstieg wird dadurch erreicht, dass Patienten nach der Schilddrüsenoperation keine Schilddrüsenhormone erhalten (Schilddrüsenhormonentzug) und somit der Zustand einer zum Teil massiven Schilddrüsen-Unterfunktion herbeigeführt wird. Der Körper bemerkt dabei, dass ihm Schilddrüsenhormone fehlen und produziert zur Jodaufnahme verstärkt TSH – das „Schilddrüsen-stimulierende Hormon“. TSH aktiviert die Schilddrüsenzellen, sodass alles im Blut verfügbare Jod aufgenommen wird.
  • Die Phase des Schilddrüsenhormonentzugs kann zwei bis sechs Wochen dauern, erst dann ist ein ausreichend hoher TSH- Spiegel von ca. 30mU/l vorhanden, um die Ablation durchzuführen. Durch die Schilddrüsen-Unterfunktion können  sich die Patienten antriebslos und matt fühlen, erleiden Müdigkeitsanfälle, kämpfen mit Depressionen, Gedächtnis- und Konzentrationsminderungen.

Radiojodtherapie (Ablation)

Nach der Operation und der erforderlichen Steigerung des TSH-Spiegels wird die ablative Radiojodtherapie in der Nuklearmedizin durchgeführt. Das radioaktive Jodisotop 131  wird dem Patienten als Kapsel verabreicht. Es reichert sich in den verbliebenen Restzellen an und zerstört gezielt das übrig gebliebene Schilddrüsengewebe. Es handelt sich dabei umgangssprachlich um eine „Bestrahlung von innen“.

INFO: JOD 131 UND HALBWERTSZEIT

Jod 131 ist ein Beta- und Gamma-Strahler. Der Vorteil von Beta-Strahlen: Sie sind sehr energiereich, kommen aber nicht weit. So können Nuklearmediziner gezielt den Krankheitsherd bekämpfen, ohne das umliegende Gewebe in Mitleidenschaft zu ziehen. Der Vorteil der Gamma-Strahlung: Sie tritt aus dem Gewebe heraus und kann somit für die Bildgebung mit einer Gamma-Kamera genutzt werden.

Die Strahlung ist kurz nach Einnahme der Jod 131 Kapsel am stärksten. Nach der Einnahme müssen die Patienten daher für ein paar Tage auf der nuklearmedizinischen Station bleiben. Während dieser Zeit kommen zwei Vorgänge ins Spiel, die die Strahlung im Verlauf der Zeit immer weiter abschwächen. Zum einen hat Jod 131 eine physikalische Halbwertszeit von acht Tagen, was bedeutet, dass es nach acht Tagen nur noch halb so stark strahlt. Zum anderen wird das radioaktive Material über den Urin ausgeschieden. Dies reduziert die Strahlung im Körper zusätzlich. Wenn die Radiojodtherapie durch einen Schilddrüsenhormonentzug vorbereitet wurde, kann  die Niere in der Zeit der Ablation langsamer arbeiten und reinigt so auch den Körper nur langsamer vom radioaktiven Material. Bei einer Vorbereitung mit rhTSH ist die Niere mit ihrer ganz normalen Geschwindigkeit tätig und schafft somit auch das übrige Jod 131, das nicht für die Zerstörung der Schilddrüsenzellen benötigt wurde, schneller wieder aus dem Körper heraus. Patienten sollten mit ihrem Arzt über die für sie optimale Behandlungsform zur Vorbereitung der Ablation sprechen.

ÜBERSICHT ÜBER DIE UNTERSCHIEDLICHEN FACHÄRZTE

Im Rahmen der Therapie und Nachsorge von Schilddrüsenkrebs durchläuft der Patient verschiedene Stationen bei unterschiedlichen Fachärzten. In unserer Übersichtsgrafik sehen Sie den gängigen Behandlungspfad. Unten auf der Seite finden Sie eine Erklärung zu den verschiedenen Facharztgruppen.
 

Ihre Ansprechpartner

Hausarzt

Niedergelassener (freiberuflicher) oder in einem medizinischen Versorgungszentrum angestellter Arzt. Der Hausarzt stellt für den Patienten meist die erste Anlaufstelle bei medizinischen Problemen dar. Wenn nötig, schreibt der Hausarzt auch die Überweisung zum Facharzt, zu einer speziellen Therapie bzw. ins Krankenhaus. Bei Verdacht auf Schilddrüsenkrebs überweist der Hausarzt den Patienten zur weiteren Abklärung an die Fachärzte aus Endokrinologie und Nuklearmedizin weiter.

Endokrinologe

Facharzt, der auf die Behandlung von hormonell bedingten Krankheiten und Stoffwechselstörungen (Eiweiß-, Kohlenhydrat-, Fettstoffwechsel) spezialisiert ist. Die Endokrinologie ist ein Teilgebiet der inneren Medizin. Der Endokrinologe unterstützt bei der endgültigen Diagnosestellung durch Abtasten, Ultraschall, Labordiagnostik sowie Feinnadelpunktion und bespricht mit dem Patienten die Therapieoptionen. Außerdem spielt der Endokrinologe eine wichtige Rolle in der Nachsorge.

Nuklearmediziner

Facharzt, der auf die Anwendung von radioaktiven Substanzen bei der Diagnostik und der Therapie spezialisiert ist. Hierzu nutzt der Nuklearmediziner die von radioaktiven Stoffen ausgehende Strahlung, die beim radioaktiven Zerfall ausgesendet wird. Der Nuklearmediziner unterstützt bei der endgültigen Diagnosestellung (Untersuchung, Szintigrafie, Feinnadelpunktion) und ist verantwortlich für die radioaktive Therapie und Nachsorge der Schilddrüse.

Chirurg

Facharzt, der sich unter anderem mit der Erkennung, der konservativen bzw. operativen Behandlung, der Nachsorge und Rehabilitation von chirurgischen Erkrankungen und Verletzungen beschäftigt. Bei der Behandlung von Schilddrüsenkrebs ist der Chirurg für die operative Entfernung der Schilddrüse verantwortlich.

NACHSORGE BEI SCHILDDRÜSENKREBS

Spätestens vor Verlassen der nuklearmedizinischen Klinik werden die Patienten von ihrem behandelnden Arzt in Gesprächen und auch medikamentös auf ein Leben ohne Schilddrüse eingestellt. Zur Nachsorge gehört nicht zuletzt die regelmäßige Einnahme von Schilddrüsenhormonen, die der Körper ohne Schilddrüse nicht mehr selbst bilden kann. Die optimale individuelle Dosierung dieser sogenannten Schilddrüsenhormon-Ersatztherapie – in der Regel wird Thyroxin (T4) eingesetzt – wird durch regelmäßige Blutuntersuchungen bestimmt. Eine konsequente Einnahme der Medikamente ist wichtig, damit Patienten nach der Bekämpfung des Schilddrüsenkrebses ihren Alltag wieder uneingeschränkt aufnehmen können.

Nachsorgediagnostik

Nach einer erfolgreichen Schilddrüsenkrebstherapie ist für Patienten in der Regel ein normales Leben wieder möglich. Doch auch, wenn Schilddrüsenkrebs eine sehr gute Prognose hat und die meisten Patienten nach einer überstandenen Erkrankung gesund bleiben, ist nicht auszuschließen, dass Schilddrüsenkrebs in einigen Fällen wieder auftritt (so genanntes Rezidiv). Dann ist eine frühzeitige Diagnose wichtig. Diese ist nur durch eine regelmäßige Nachsorge durch den behandelnden Arzt zu gewährleisten und sollte vom Patienten unbedingt wahrgenommen werden.

Die Nachsorgeuntersuchungen werden entweder beim Endokrinologen, beim Nuklearmediziner oder im behandelnden Krankenhaus durchgeführt. Sie finden in der ersten Zeit nach Abschluss der Behandlung relativ engmaschig statt (3-6 Monate). Später werden die Zeiträume zwischen diesen Kontrolluntersuchungen größer (jährlich) – vor allem, wenn weder Symptome noch sonstige Anzeichen für ein Wiederauftreten der Erkrankung vorliegen. Art und Umfang der Nachsorgeuntersuchungen stimmt der Arzt auf die individuelle Situation des Patienten ab. Er berücksichtigt dabei vor allem, wie weit der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose bereits fortgeschritten war und welche Behandlung durchgeführt wurde. Im Mittelpunkt stehen bei der Nachsorge zunächst das Gespräch mit dem Patienten und regelmäßige körperliche Untersuchungen, sowie die Messung des Thyreoglobulin-Spiegels (Tg-Spiegel) im Blut, die Sonografie und ggf. die Ganzkörperszintigrafie.

Formen der Nachsorgediagnostik

Tg-Messung und Sonografie (Ultraschall)

  • Der in der Nachsorge des Schilddrüsenkarzinoms wohl wichtigste Wert ist das Thyreoglobulin (=Tg), ein Eiweißstoff, der nur von Schilddrüsenzellen produziert wird. Nach erfolgreicher Ersttherapie (Operation und Ablation) sollte der Tg-Wert gegen 0 gehen, ansonsten deutet der Tg-Spiegel auf Schilddrüsenzellwachstum hin. Tg ist ein Tumormarker. Findet man während einer Nachsorgeuntersuchung wieder Tg im Blut, müssen weitere diagnostische Maßnahmen eingeleitet werden.
  • Eine Tg-Messung wird durch Blutabnahme und der Untersuchung des entnommenen Blutes im Labor vorgenommen. Um den Tg-Wert zu bestimmen, kann es – abhängig vom persönlichen Risiko einer Wiedererkrankung – wichtig sein, zur Messung möglichst viel TSH im Körper verfügbar zu haben. Wie bei der Ablation kann dies durch Hormonentzug oder TSH Gabe erreicht werden. In beiden Fällen spricht man von einer stimulierten Tg-Messung.
  • Zusätzlich zu der Tg-Messung sollte immer eine Sonografie (Ultraschalluntersuchung) des Halses gemacht werden.

Ganzkörperszintigrafie

  • Eine Ganzkörperszintigrafie ist ein bildgebendes Verfahren zur Diagnostik. Insbesondere bei der ersten Nachsorge nach der Ablation wird in der Regel ein Ganzkörperszintigramm durchgeführt, das Restgewebe, Rezidive und Metastasen nach der Aufnahme von radioaktiven Stoffen mit einer Gamma-Kamera sichtbar macht. Das Prinzip der Radiojoddiagnostik, die stationär durchgeführt wird, ähnelt dem der Ablation, mit dem Unterschied, dass sehr viel geringere Jod-131-Aktivitäten eingesetzt werden. Denn hier soll kein Gewebe zerstört, sondern nur ein Bild erzeugt werden. Mögliche noch vorhandene Schilddrüsenzellen oder Krebszellen müssen auch hier wieder durch eine künstlich herbeigeführte Schilddrüsenunterfunktion oder durch die Gabe von künstlichem TSH "jodhungrig" gemacht werden, um das radioaktive Jod (Kapseleinnahme) optimal aufnehmen zu können. Zwei bis drei Tage nach der Einnahme der Kapsel wird mit Hilfe einer Gamma-Kamera ein Ganzkörperszintigramm durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt haben die möglicherweise verbliebenen Zellen das Radiojod aufgenommen und die Gamma-Strahlung des Jod 131 kann in einem Bild festgehalten werden. Finden sich Stellen, an denen sich die Strahlung konzentriert, ist dies ein Zeichen für verbliebene aktive Schilddrüsenzellen. Dann wird der behandelnde Arzt weitere entsprechende diagnostische und therapeutische Maßnahmen treffen.

PET und ggf. Röntgenaufnahmen

  • Bei Verdacht auf Metastasen im Lungenbereich können eine PET oder gegebenenfalls Röntgenaufnahmen des Brustkorbes gemacht werden. PET (Positronen-Emissions-Tomografie) ist ein bildgebendes Verfahren der Nuklearmedizin, das die Verteilung einer schwach radioaktiv markierten Substanz (Radiopharmakon) im Organismus sichtbar macht.

Austausch und Beratung

Eine optimale Nachsorge beinhaltet neben medizinischen Untersuchungen auch eine intensive Betreuung des Patienten. Die meisten Patienten sind nach einer Krebsbehandlung nicht nur körperlich, sondern auch seelisch belastet. Neben dem Arzt kann bei der Betreuung auch ein Sozialdienst oder eine psychoonkologische Beratung im Krankenhaus hilfreich sein. Für manche Patienten ist es darüber hinaus förderlich, sich über einen gewissen Zeitraum Unterstützung bei einer separaten Beratungsstelle für Krebspatienten und Angehörige zu holen, die von vielen Städten und Gemeinden gestellt werden. Auch der Kontakt zu anderen Betroffenen, zum Bespiel in einer Selbsthilfegruppe, kann eine große Hilfe sein, da diese Menschen die Probleme aus eigener Erfahrung kennen und mit Rat und Tat helfen können.

Letzte Aktualisierung: 03.12.2019