mein.sanofi.de

Redewendungen und Malerei

Jenseits jeglicher dermatologischer Betrachtung hat die Haut einen hohen Symbolcharakter, sie ist ebenso in der Malerei allgegenwärtig wie in volkstümlichen Redewendungen. Und um die Haut ranken sich Legenden und Mythen.

Goethe

Mit der Haut beschäftigen sich viele Sprichwörter und Redewendungen. Schon Goethe (Bild) und Schiller hatten die „ehrliche Haut" in ihrem Sprachschatz. Wobei vermutet werden darf, dass diese Formulierung ihren Ursprung in der Beobachtung hat, dass sich bei vielen Menschen beim Lügen die Gesichtshaut rötet.

Wenn einem etwas „unter die Haut geht", geht es einem besonders nahe, hat ein Thema also die äußere Schutzhülle eines Individuums durchdrungen. Eine Redensart, die es in vielen Sprachen gibt. „To get under one's skin" heißt es etwa im Englischen.

Bereits im 16. Jahrhundert fuhr man bei Wutausbrüchen sprichwörtlich „aus der Haut". Oder man fühlte sich „nicht wohl in seiner Haut", die man nicht abstreifen kann wie ein Kleidungsstück. Beim Faulenzen legt man sich auf die „faule Haut". Und wenn jemand einer Sache „mit Haut und Haaren" verfallen ist, dann findet sich diese Redewendung schon in einem Märchen der Gebrüder Grimm, wo der böse Wolf die Geißlein „mit Haut und Haaren" fraß. Die Redensart könnte aber auch, so vermuten einige Sprachwissenschaftler, aus dem mittelalterlichen Sachsenspiegel stammen. In diesem Rechtsbuch wurden Verbrecher „mit Haut und Haaren" bestraft, indem sie (auf nackter Haut) ausgepeitscht und ihre Köpfe kahl geschoren wurden.

Jedenfalls ist die Haut (die man tunlichst nicht zu Markte tragen sollte) tief im deutschen Sprachgut verwurzelt und mit Alltagsweisheiten belegt. Dies darf als Indikator für ihren hohen Stellenwert im menschlichen Bewusstsein gewertet werden. Wie kein anderes Organ ist die Haut nach außen sichtbar, sie prägt das ästhetische Erscheinungsbild eines Menschen - und ist ebenso verletzbar wie schmerzempfindlich.

Vom grausamen Ritual der Häutung
Die leichte Verletzbarkeit und Schmerzempfindlichkeit der Haut hat seit Menschengedenken die sadistische Phantasie der Menschen beflügelt. Grausam sind die Schilderungen von Häutungen (Schinden) am lebendigem Leibe, wie sie aus den verschiedensten Kulturen überliefert sind. Aus dem alten Orient berichtet der griechische Geschichtsschreiber Herodot vom König von Babylon (Kambyses II.), der einem bestechlichen Richter zur Strafe die Haut abziehen ließ. Gleiches wird dem assyrischen Herrscher Salmanazar III. nachgesagt, der diese Strafe einem Aufständischen widerfahren ließ.

In Michelangelos Jüngstem Gericht in der Sixtinischen Kapelle findet sich der Apostel Bartholomäus (Bild), der der Legende nach bei seinem Märtyrertod gehäutet wurde.

Auf Gemälden ist der Satyr Marsyas zu sehen, dem in der griechischen Mythologie von keinem Geringeren als von Apollon selbst (nach einem Flötenspiel) bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen wurde.

Es ist kaum überraschend, dass das Häuten auch von den für ihre grausamen Opferrituale berüchtigten Mayas und Azteken zu Ehren der Götter praktiziert wurde. Da mutet das Skalpieren der nordamerikanischen Indianer, das meist erst nach dem Tod der Opfer vollzogen wurde, fast schon human an.

Die Haut in der Malerei
Zurück zu erfreulicheren Aspekten der Haut: In der Malerei hat sie die Künstler seit jeher ebenso inspiriert wie vor große Herausforderungen gestellt. Am einfachsten hatten es da noch die Porträtmaler in jenen Kulturen und Stilepochen, die einen gleichmäßigen hellen, flächigen Teint als Schönheitsideal pflegten. So präsentierten sich die Gesichter im japanischen Kabuki-Theater (Bild) und bei traditionellen Geishas weiß geschminkt - was malerisch leicht darzustellen war.

Auch im europäischen Mittelalter strebte man in der Oberschicht nach einem möglichst blassen, maskenhaften Teint. Erreicht wurde dieser durch zum Teil hochgiftige Substanzen wie Bleiweiß (Bleioxid). Den Porträtmalern jener Zeit blieb es also erspart, sich mit den Raffinessen der Haut auseinanderzusetzen. So brauchte es für die englische Königin Elisabeth I. (Bild) nur reichlich weißes Puder im Gesicht, allenfalls noch rosa getupfte Wangen und etwas Farbe auf den Lippen - von Haut war nichts zu sehen.

Da hatte es Michelangelo mit seinen Fresken in der Sixtinischen Kapelle ungleich schwerer. Seine Figuren spiegeln die Haut in all ihren ästhetischen Ausdrucksformen wider: von makelloser Schönheit bis zur ekelerregenden Entstellung. Dass das Malen von Haut große Meisterschaft erfordert, stellten die großen Renaissance-Maler von Leonardo da Vinci bis Raffael eindrucksvoll unter Beweis.

Als einer der großartigsten Maler von Haut gilt der Flame Peter Paul Rubens. In seinem Atelier beschäftigte er viele Maler, die ihm zuarbeiteten und Details realisierten. Aber an die Haut ließ er niemanden heran, sie stammt auf all seinen Gemälden von des Meisters Hand (Bild). Wer sich in den Rubens-Sälen etwa der Alten Pinakothek in München genauer umsieht, entdeckt alle nur erdenklichen Hauttypen - von zarter Blässe bis zu Runzeln und Schuppen.